http://bzp2013.is-lab.ch

 

 

Sein Wort hat Gewicht

​Silas Ackermann hört sein Herz klopfen, als er im Kommunikationstraining einen alkoholabhängigen Patienten beraten muss. Geschickt setzt der angehende diplomierte Pflegefachmann HF die motivierende Gesprächsführung ein, die er im Unterricht bei Thomas Eyholzer kennengelernt hat – mit Erfolg.

Was ist zu tun, wenn ein alkoholabhängiger Patient niedergeschlagen auf dem Bett sitzt und die stationäre Therapie abbrechen will? Diese Frage stellte sich Silas Ackermann, als er im Kommunikationstraining mit exakt diesem Fallbeispiel konfrontiert war. «Ich habe mein Herz klopfen gehört und nicht an meine Fähigkeiten geglaubt», erinnert sich der angehende diplomierte Pflegefachmann HF. Tapfer betritt der 24-Jährige den Raum, wo der Schauspielpatient wartet. Silas Ackermann geht auf den 50-Jährigen zu, setzt sich zu ihm ans Bett und erkundigt sich nach seinem Befinden. «Was bedrückt Sie?», fragt er ihn – und geht dann einfühlsam auf die zaghaften Äusserungen des Mannes ein. Berufsschullehrer Thomas Eyholzer beobachtet die Trainingssequenz. Erfreut nimmt er zur Kenntnis, wie geschickt der Studierende das in der Theorie erworbene Wissen in die Praxis umsetzt. «Er wendet Elemente der motivierenden Gesprächsführung an», kommentiert Thomas Eyholzer.

Die Waage als Symbol

Silas Ackermann begegnet dem alkoholabhängigen Mann auf Augenhöhe. Der Studierende tut es mit hoher Präsenz und hört dem Schauspielpatienten aufmerksam und aktiv zu. Sein Verhalten zeigt Wirkung: Nach einiger Zeit signalisiert der Mann Bereitschaft, in der Klinik zu bleiben und die Therapie vorerst nicht abzubrechen. Silas Ackermann scheint von seiner erfolgreichen Intervention selbst etwas überrascht zu sein. Dann erklärt er: «Ich konnte die Selbstwirksamkeit des Patienten anregen und ihn zu einer Verhaltensänderung bewegen.» Thomas Eyholzer nickt, nimmt ein Buch zur Hand und schlägt eine Seite auf, wo eine Waage zu sehen ist. Die Illustration zeigt das Modell der motivierenden Gesprächsführung. Eine Waagschale ist mit «Resistance Talk» angeschrieben. «Wenn der Patient an seinem bisherigen Verhalten festhält, dann überwiegt diese Seite», erklärt der Berufsschullehrer. Die andere Waagschale wird mit «Change Talk» bezeichnet. Wenn es gelinge, den Patienten zu einer Verhaltensänderung zu führen, dann habe der «Change Talk» mehr Gewicht.

Partizipativer Unterricht

Das Symbol der Waage ist bei Silas Ackermann hängen geblieben. Er hat das Gelernte verstanden und demonstriert, dass die Umsetzung in die Praxis funktioniert. Wesentlich dazu beigetragen hat Berufsschullehrer Thomas Eyholzer, der die Theorie anschaulich vermittelte und die Studierenden stets in den Unterricht einbezog. «Er ist ein kooperativer Typ», sagt Silas Ackermann. Thomas Eyholzers Wissen im Bereich der Kommunikation beschränkt sich offensichtlich nicht nur auf theoretische Modelle, sondern prägt auch seinen Unterrichtsstil. «Ich lasse die Studierenden partizipieren, fordere von ihnen aber auch viel Verantwortung.» Dieser Stil scheint im Schulzimmer anzukommen.

​Steckbrief Lehrperson

 

Name

Thomas Eyholzer

Jahrgang

1966

Am BZ Pflege

Seit 2012 (80 Prozent)

Unterrichtet

Psychiatrische Krankheitsbilder, Abhängigkeitserkrankungen, Kommunikationsmodelle, sozio-kulturelle Kompetenz und Diversität, Validation, Bewältigungsstrategien und Begleitung in Krisensituationen, Konfliktseminar

Praktische Tätigkeit

Zehn Jahre Tätigkeit in der Psychiatriepflege, 15 Jahre Erfahrung als Berufsschullehrer

Ausbildung

Diplomierter Pflegefachmann HF, Berufsschullehrer im Gesundheitswesen

Hier bin ich zuhause

Ich komme aus dem Wallis und wohne heute in Ostermundigen.

Was mir wichtig ist

Lebenspartner, Eltern, Geschwister, Freunde, Patenkinder und meine «Arbeitsfamilie». Mit ihnen verbringe ich die Zeit, die ist und bleibt.

Mein Leitgedanke

Den didaktisch-pädagogischen Raum so weit wie möglich gemeinsam mit den Studierenden gestalten. Dieser Ansatz ermutigt mich dazu, Freiräume für entdeckendes Lernen zu schaffen.