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Cloë macht ihre Leidenschaft zum Beruf

Eines weiss Cloë Elsaesser (20) ganz bestimmt: Später einmal will sie in der Pflege mit Kindern arbeiten. Um dieses Ziel zu erreichen, lässt sie sich nach der Fachmittelschule zur dipl. Pflegefachfrau HF ausbilden – und lernt u.a. in einem Altersheim, was praktische Pflegearbeit bedeuten kann. Dank der grossen Praxisvielfalt in der Ausbildung zur dipl. Pflegefachfrau HF sammelt sie wertvolle Erfahrungen mit demenzerkrankten Menschen.

Noch ist unklar, wie die Partie ausgehen wird. Cloë Elsaesser sitzt einem älteren Herrn gegenüber, schiebt einen ihrer weissen Steine über das Spielbrett und wartet. „Bin ich an der Reihe?", fragt der Mann. Die 20-Jährige bejaht, ihr Gegner versetzt mit zittrigen Händen einen schwarzen Stein. Drei liegen jetzt in einer Reihe – die Mühle ist geschlossen. Cloë seufzt, schon wieder steuert sie einer Niederlage entgegen. Der Mann aber lächelt. „Ich bin weiss, oder?", fragt er. „Sie sind schwarz", antwortet Cloë. „Sie können einen meiner weissen Steine vom Brett nehmen."

Es ist ein Dienstagnachmittag im Januar, das Mühlespiel findet in der Demenzabteilung des Altersheim ElfenauPark statt. Für Aussenstehende mag die Situation wie reiner Zeitvertreib wirken, doch für Cloë ist es mehr. Es ist eine spielerische Form, die kognitiven Fähigkeiten der Bewohner so lange wie möglich zu erhalten. Es ist professionelle Pflege, die konzeptgeleitet Aktivitäten mit den Bewohnern durchführt. Wachsam und präsent beobachtet Cloë Elsaesser die noch vorhandenen kognitiven und körperlichen Fähigkeiten ihres Spielpartners, um die noch vorhandenen Fähigkeiten in der Planung der Pflege zu berücksichtigen. Vor vier Monaten hat Cloë Elsaesser im ElfenauPark das erste Praktikum ihrer dreijährigen Ausbildung zur dipl. Pflegefachfrau HF begonnen – von ihrer anfänglichen Unsicherheit ist nichts mehr zu spüren.

Herausforderung Praxis

Ein bisschen nervös sei sie am Anfang schon gewesen, sagt die Studierende. Doch nach dem erfolgreichen Abschluss des ersten Semesters am BZ Pflege wurde sie im ElfenauPark super aufgenommen. In den ersten Wochen hat das Team sie bei der Arbeit begleitet und sie in die Arbeitsabläufe eingeführt. Seither lernt Cloë in der Praxis, was die Theorie nicht vermitteln kann. „Die Körperpflege ist ein gutes Beispiel dafür", sagt sie. „Die Lehrpersonen haben uns gezeigt, wie es geht, und wir haben an den Mitstudierenden und Simulationspuppen geübt – aber in der Praxis ist es eben doch etwas anderes." Die Patienten in der Demenzabteilung haben meist mehrere Einschränkungen mit ganz individuellen Fähigkeiten und Problemen. Das macht es besonders herausfordernd, ihre wenigen Ressourcen zu erkennen und zu erhalten.

Dabei war Cloë das in der Schule erworbene Wissen immer wieder hilfreich und sie konnte das im Lernbereich Training und Transfer (LTT) erarbeitete Können in die Praxis transferieren. So etwa beim Richten von Medikamenten, beim Messen des Blutdrucks oder bei der Mobilisierung von Patienten. „Das Grundgerüst habe ich mitgebracht", ist sie sich sicher. „Den Rest lernt man vor Ort in der Praxis."

Mit den sechs Frauen und dem einen Mann auf der Demenzabteilung kommt Cloë Elsaesser gut zurecht. Sie unterstütz wo nötig beim Aufstehen, beim Waschen, beim Anziehen. Fast kein Ablauf, der für gesunde Personen selbstverständlich ist, geht bei demenzkranken Menschen mehr von selber. „Natürlich gibt es für Cloë noch einiges zu lernen", sagt Fabienne Schärer, ihre Berufsbildnerin im Praktikum. Aber die Studierende mache sich gut, im Vergleich zur Anfangszeit sei sie viel sicherer und ruhiger geworden im Umgang mit den Patientinnen.

Dank Schnupperpraktikum zur Pflege

Das ist nicht selbstverständlich, denn Cloë hat anders als einige ihrer Mitstudierenden noch keine Erfahrung in einem Gesundheitsberuf gesammelt. Zwar merkt sie schon von klein auf, dass sie sich gerne um andere kümmert – erst um ihre jüngeren Cousinen und Cousins, dann als Babysitterin um fremde Kinder –, doch sie entschliesst sich dazu, die Sekundarschule abzuschliessen und später die Fachmittelschule (FMS) in Bern zu absolvieren. Dort begegnete sie ihrer Leidenschaft wieder: Während der obligatorischen Praktika schnupperte sie zwei Wochen in einem Altersheim und zwei Wochen auf der Geburtenstation im Berner Lindenhofspital. Es ist eine prägende Zeit für die junge Frau: „Nach meiner Zeit im Lindenhof wusste ich genau, was ich machen will", sagt Cloë. Sie informiert sich über die Ausbildungsmöglichkeiten, findet heraus, dass ihr dank ihrem FMS-Abschluss der schriftliche Eignungstest erlassen wird, und meldet sich zur dreijährigen Ausbildung zur dipl. Pflegefachfrau HF an.

Zwischen Schulbank und Pflegealltag

Das erste Semester auf dem Campus BZ Pflege hat Cloë Elsaesser in guter Erinnerung, insbesondere die praktischen Teile der Ausbildung haben ihr gut gefallen. So lernten die Studierenden etwa, wie Blut genommen wird, wie Impfungen durchgeführt oder Personen mobilisiert werden und wie man mit Patienten kommuniziert, die kognitiv stark eingeschränkt sind. „Meine Erwartung war, dass wir in diesem Jahr so gut wie möglich auf das Praktikum vorbereitet werden", sagt Cloë. „Diese Erwartung hat sich erfüllt." Dass sie mit Vorwissen in den ElfenauPark kam, sei auch der grosse Unterschied zu ihrem Altersheim-Praktikum während der FMS gewesen. „Dieses Mal konnte ich dem Team helfen, man hat etwas von mir erwartet und ich habe Verantwortung übernommen", sagt die Studentin. All den positiven Eindrücken zum Trotz sei sie dennoch froh, bald wieder die Schulbank zu drücken. „Die Arbeit mit dementen Personen kann psychisch und physisch sehr anstrengend sein." Ein Semester, in dem man zuhören, lernen und Wissen erarbeiten könne, sei da eine tolle Abwechslung.

Klare Perspektive

Von den insgesamt drei Jahren verbringen die Studierenden abwechslungsweise drei Semester an der Schule und drei Semester in verschiedenen Institutionen der gesundheitlichen Versorgungskette. So erwartet Cloë noch ein Praktikum im Berner Salem-Spital und eines in der Kinderklinik des Inselspitals. „Ich finde es gut, dass wir Einblick in verschiedene Tätigkeiten bekommen", sagt Cloë. Von ihrem Berufswunsch sei sie dennoch nicht abgekommen: „Vielleicht gehe ich nach der Ausbildung auf eine grosse Reise, vielleicht werde ich mich auch zur Hebamme weiterbilden lassen", sagt sie. Klar ist nur: „Ich will in der Pflege mit Kindern arbeiten. „Dieser Beruf passt zu mir."

 Impressionen

 

 

 

Steckbrief​

Name

Cloë Anne Elsaesser

Jahrgang

1994

Ausbildung

Fachmittelschule Bern / Pflegefachfrau HF, Ausrichtung Kind, Jugendliche, Familien und Frauen, KJFF (seit 2014)

Zu Hause im Kanton

Bern

Motivation

Mich um andere kümmern, egal ob beim Babysitten oder im Pflegeberuf

Am BZ Pflege weil

Nach meinem Praktikum auf der Geburtenstation war klar, wo mein Platz ist!

Erfolge im ersten Praktikum

Wissen in der Praxis anwenden, sicherer geworden im Umgang mit Patienten

Zukunftspläne

Reisen, Weiterbildung, in der Pflege mit Kindern arbeiten

 

Cloës Schlüsselmoment

 

Cloës Schlüsselperson


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