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Den Ernstfall souverän gemeistert

Wie man eine Magensonde legt, das hat Cloë Elsässer während der Ausbildung zur diplomierten Pflegefachfrau HF oft trainiert. Doch als sie diese Intervention in der Praxis an einem Säugling durchführen muss, spürt sie Nervosität. Die Kompetenz von Berufsbildnerin Martina Lehmann vermittelt ihr Sicherheit – und der Eingriff gelingt. 


Cloë Elsässer weiss, was sie kann. Die 22-Jährige befindet sich kurz vor Abschluss der Ausbildung zur diplomierten Pflegefachfrau HF. Engagiert und zielstrebig marschiert sie durch die Gänge der Abteilung Infektiologie der medizinischen Kinderklinik am Berner Inselspital, wo sie ihr letztes Praktikum absolviert. Cloë Elsässer wendet ihr umfassendes Wissen an, das sie sich am BZ Pflege angeeignet hat. Doch heute stellt sich der angehenden Pflegefachfrau eine besondere Herausforderung. Sie muss zum ersten Mal in ihrem Berufsleben einem Säugling eine Magensonde legen. «Ich war sehr nervös», erklärt sie rückblickend. Das drei Monate alte Mädchen hat den RS-Virus – eine Art Grippe, die bei Kleinkindern sehr gefährlich sein kann. Durch das viele Sekret und die beeinträchtigte Atmung ist der Säugling nicht mehr in der Lage, den Grundbedarf an Nahrung aufzunehmen. «Während der Ausbildung hatte ich immer wieder trainiert, wie man eine Magensonde legt», sagt Cloë Elsässer. «Doch der Ernstfall ist anders.».


Angst überträgt sich 

Die Studierende ist in dieser anspruchsvollen Situation nicht allein. Martina Lehmann, die auf der Abteilung als Berufsbildnerin tätig ist, steht ihr bei. «Wir haben die Situation sehr gut vorbesprochen», erklärt Cloë Elsässer. Die ruhige und kompetente Art von Martina Lehmann habe ihr die nötige Sicherheit vermittelt. Dies sei im Umgang mit den Angehörigen besonders wichtig, denn: «Wenn wir Angst oder Unsicherheit ausstrahlen, überträgt sich das rasch auf die Eltern oder die Patienten», so Cloë Elsässer. Weil die Mutter des Säuglings fremdsprachig ist, stellt sich der Studierenden eine zusätzliche Hürde in der Kommunikation. Martina Lehmann beobachtet erfreut, wie geschickt Cloë Elsässer die Eltern in den Prozess einbezieht. «Sie hat das vorbildlich gemacht», sagt die Berufsbildnerin. 


Sie kennt die Risiken

In Anwesenheit der Mutter befindet sich die kleine Patientin nun im Untersuchungszimmer, wo sie von Cloë Elsässer sorgfältig auf die Intervention vorbereitet wird. Martina Lehmann leitet die Studierende diskret an. Sie stützt sich in ihren Handlungen unter anderem auf das Angst- und Schmerzkonzept ab, das in der Kinderklinik zur Anwendung kommt. «Eine Magensonde kann einen Würgereiz auslösen», sagt Cloë Elsässer. Umso wichtiger sei es, optimale Bedingungen für den Eingriff zu schaffen. Mit sicherer Hand misst sie die Magensonde ab und führt diese ein. Sie ist sich bewusst, welche Risiken damit verbunden sind: «Würde man irrtümlich die Luftröhre treffen, befände sich das Kind beim Verabreichen von Nahrung in Lebensgefahr», erklärt Cloë Elsässer. Jetzt ist im Untersuchungszimmer das Schreien des Babys zu hören. Martina Lehmann versucht es mit sanften Berührungen zu beruhigen. Nach wenigen Minuten ist in der Sonde eine Flüssigkeit zu sehen. Es ist Magensaft! Cloë Elsässer atmet durch. Der Eingriff ist geglückt. Behutsam gibt sie dem Mädchen den «Nuggi» und legt es dann in die Arme seiner Mutter. Berufsbildnerin Martina Lehmann nickt der Studierenden anerkennend zu. In diesem Moment realisiert Cloë Elsässer, dass sie das nötige Wissen hat, um neue Herausforderungen zu meistern.



Bezugsperson von Cloë Elsässer


Name

Martina Lehmann


Jahrgang

1991


Arbeitgeber

Medizinische Kinderklinik, Insel Gruppe Bern


Funktion

Berufsbildnerin


Ausbildung

In meiner Berufskarriere habe ich mich langsam hochgearbeitet. 2009 beendete ich die Ausbildungzur Pflegeassistentin, um anschliessenddie Lehre als Fachfrau Gesundheit zu absolvieren. Ich suchte nach weiteren Herausforderungen und beschloss, mich zur diplomierten Pflegefachfrau HF auszubilden.


Werdegang

Ich hatte das Glück, gleich nach dem Diplom auf der Abteilung für Infektiologie in der Kinderklinik bleiben zu können. Seit Beginn dieses Jahres darf ich als Berufsbildnerin mein Wissen an Studierende weitergeben

Berufsbildung heisst für mich

Arbeiten und Lernen vereinen, Erlernen von qualifizierten Fähigkeiten und fundiertem Wissen sowie Sammeln von ersten Berufserfahrungen


Was ich im Leben mag

Familie, Freunde, den Frühling, ein gutes Buch, Musik, das Erleben von unvergesslichen Momenten


Mein Motto

Legt man dir Steine in den Weg, entscheidest du selbst, was du daraus machst: Mauern oder Brücken