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Aleksandras mehrsprachige Erfolgsgeschichte

In ihrem Praktikum im Spitalzentrum Biel wird Aleksandra Biljanovic (19) vielseitig gefordert: Sie hat nicht nur die gelernten pflegetechnischen Verrichtungen erstmals in der Praxis angewendet – in der zweisprachigen Institution konnte die 19-Jährige gleichzeitig ihre Französischkenntnisse verbessern. Die herausfordernde Ausbildung macht Lust auf mehr: Am BZ Pflege wird Aleksandra mit einem eidgenössischen HF Diplom abschliessen, welches zu einem Bachelorstudium berechtigt.

„Achtung, jetzt wird's ein bisschen kalt." Mit einem Tupfer berührt Aleksandra Biljanovic die Haut der Patientin, säubert die Punktionsstelle des Venflons und legt dann einen neuen Verband an. Die ältere Frau, weisse Haare, weisses Spitalnachthemd, liegt ruhig in ihrem Bett, lässt die angehende Pflegefachfrau gewähren. „Eine Hübsche ist sie", sagt sie dann plötzlich und zeigt auf Aleksandra. Die Angesprochene lächelt, beendet ihre Arbeit und verabschiedet sich von der Patientin. Sie muss weiter, im Spitalzentrum Biel ist einiges los an diesem Freitagmorgen. „Wie immer eigentlich", erklärt Aleksandra Biljanovic. Ruhige Phasen gebe es auf ihrer Station, einer Abteilung der Allgemeinmedizin, eigentlich nie. „Am Abend bin ich meistens kaputt. Aber so lernt man halt auch sehr viel."

Abläufe verinnerlichen

Aleksandra Biljanovic lässt sich am BZ Pflege zur dipl. Pflegefachfrau HF ausbilden. Vor fünf Monaten hat sie das Praktikum im Spitalzentrum Biel begonnen, nur wenige Wochen dauert es jetzt noch. „Am Anfang war es schwer für mich", sagt sie rückblickend. Das Tempo war von Beginn weg hoch, vieles war neu. Infusionen, Venflon, Magensonden – all die pflegetechnischen Verrichtungen kannte sie lediglich aus dem ersten Schulsemester auf dem Campus in Bern. Dass sie die Anwendungen dort in der Theorie besprochen und an Mitstudierenden geübt hat, habe ihr geholfen, sagt Aleksandra. „In der Praxis ist es aber doch etwas anderes. Erst wenn man jede Woche ein Venflon legt, werden die Abläufe wirklich verinnerlicht."

Verantwortung dank Wissensvorsprung

Begonnen hat Aleksandras Pflegelaufbahn als Lernende Fachfrau Gesundheit im Schlössli, einem Zentrum für Langzeitpflege in Biel. Als 15-Jährige wurde sie dort ins kalte Wasser geworfen, musste sich plötzlich um ältere Menschen kümmern, sie waschen oder anziehen. „Das war schon seltsam zu Beginn", sagt sie. „Aber dann hat es mir gefallen. Ich wusste ja schon als kleines Kind, dass ich einmal im pflegerischen Bereich arbeiten will." Zusammen mit einer Kollegin absolvierte sie die dreijährige Ausbildung zur Fachfrau Gesundheit (FaGe) und arbeitete dann ein halbes Jahr auf dem Beruf. Bereits während der Ausbildung wurde den beiden jungen Frauen aber klar, dass sie sich weiterbilden möchten. „Wir wollten uns zusätzliches Wissen aneignen und mehr Verantwortung übernehmen", sagt Aleksandra. Im Schlössli Biel arbeiteten zu dieser Zeit viele diplomierte Pflegefachkräfte. Mit ihnen tauschten sich die beiden Kolleginnen aus, informierten sich über die Ausbildungsmöglichkeiten – und meldeten sich dann gemeinsam beim BZ Pflege an.

Praxisnahe Situationen im geschützten Rahmen

Die FaGe-Ausbildung sei ein guter erster Schritt gewesen und habe ihr viele Türen geöffnet, so Aleksandra. Die Ausbildung zur dipl. Pflegefachfrau HF hebe sich aber deutlich ab: spezifischer sei sie, umfassender, anspruchsvoller und durch die verschiedenen Lernarrangements auch sehr abwechslungsreich. Ganz besonders im Gedächtnis geblieben ist Aleksandra eine praktische Übung aus dem ersten HF-Semester. Im Kommunikationstraining trafen die Studierenden auf eine Schauspielerin, die eine demente Frau darstellte. „Sie suchte ihr Portemonnaie und war ausser sich", erinnert sich Aleksandra. „Wir mussten sie beruhigen und aus ihrer Hilflosigkeit herausholen." Die nötige Theorie und passende Kommunikationsstrategien hatte Aleksandra vorher im Unterricht gelernt. Nun hatte sie die Möglichkeit, ihr Wissen, im geschützten Rahmen, anzuwenden. Die Szene fand in einem nachgestellten Pflegezimmer mit Bett, Nachttisch und kleineren Details statt. „Ich war richtiggehend in der Situation drin. Das war wie echt", sagt Aleksandra. Eine Lehrperson beobachtete die Studierenden von aussen und gab ihnen anschliessend ein Feedback. Auch für sie, die ja bereits Erfahrung mit älteren Patienten hatte, sei das eine lehrreiche Situation gewesen.

Eigenverantwortliches Handeln

Im Spitalzentrum Biel ist Aleksandra inzwischen richtig angekommen. Sie arbeitet meist selbstständig, kümmert sich um vier Patientinnen und Patienten pro Tag – und falls mal etwas unklar ist, kann sie jederzeit bei einem Teammitglied nachfragen. Während sie als FaGe immer jemandem unterstellt war und meist Aufträge ausführen musste, delegiert sie nun selbst. „Früher musste ich immer fragen: Darf ich? Soll ich?", sagt Aleksandra. „Heute gibt es viele Dinge, die ich in der Funktion als auszubildende Pflegefachfrau einfach machen kann." Sie geniesst diese neue Verantwortung.
Als ganz besonderen Aspekt ihres Praktikums erlebt sie den zweisprachigen Arbeitsalltag im Spitalzentrum Biel. Viele Teammitglieder wechseln fliessend zwischen Französisch und Deutsch, ein Teil der Dokumentation ist zudem in französischer Sprache verfasst. Für Aleksandra, die zwar in Biel aufgewachsen ist, Französisch aber vor allem in der Schule gelernt hat, war das eine Herausforderung: „Die Arbeit im Spital war für mich auch eine Sprachschule", sagt sie und lacht. Inzwischen könne sie sich sehr gut mit Teammitgliedern und Patienten verständigen.

Ohne Sprachbarrieren durch den Pflegealltag

In Sachen Sprache gab es während des Praktikums sogar Situationen, in denen Aleksandra alle anderen überflügelte. So wurden hin und wieder ältere Patienten eingeliefert, die fast nur Serbisch sprachen. „Beim Umgang mit ihnen kam mir natürlich meine Muttersprach zugute", sagt Aleksandra, deren Eltern aus Bosnien stammen. Stolz fügt sie an: „Weil sonst im Team niemand Serbisch spricht, wurde ich auch gerufen, um zu übersetzen."
Dass nun bald wieder die Schule beginnt, freut Aleksandra. „Ich lerne gerne und bilde mich gerne weiter", sagt sie. So ist für sie auch schon klar, wie es nach dem BZ Pflege weitergehen soll: „Falls ich die Ausbildung erfolgreich abschliesse, möchte ich ein Bachelorstudium Pflege an der Fachhochschule anhängen und als Zukunftsvision ein Medizinstudium", so Aleksandra. Wundexpertin würde sie interessieren, vielleicht auch Anästhesie oder Intensivpflege. Klar ist nur: „Mein Weg ist noch lange nicht zu Ende."

 Impressionen

 

 

 

Steckbrief

Name

Aleksandra Biljanovic

Jahrgang

1995

Ausbildung

FaGe, Langzeitpflege Schlössli, Biel / Pflegefachfrau HF verkürzt

Zu Hause im Kanton

Bern

Berufswahl

Ich wusste schon als kleines Kind, dass ich mal im Gesundheitswesen arbeiten möchte.

Erfolge im ersten Praktikum

Selbstständiges Arbeiten, Kommunikation mit Patienten auf Deutsch, Französisch und Serbisch

Am BZ Pflege weil

Ich möchte mir zusätzliches Wissen aneignen und mehr Verantwortung  übernehmen können.

Zukunftspläne

Fachhochschule, danach vielleicht Wundexpertin, Anästhesie, Intensivpflege

 

Aleksandras Schlüsselmoment

 

Aleksandras Schlüsselperson


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