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Das Herz entdeckt

​Tamara Röthlisberger hat in der Ausbildung zur diplomierten Pflegefachfrau HF ein echtes Herz seziert und dabei begriffen, wie wichtig dieses Organ ist. Das Wissen hat ihr Heimo Hanke im Anatomieunterricht vermittelt. Der Dozent traut den Studierenden einiges zu.

Der Geruch ist an ihr hängen geblieben. Tamara Röthlisberger erinnert sich, wie ihr Anatomielehrer Heimo Hanke an einem Dienstagnachmittag mit einem Plastiksack ins Unterrichtszimmer kam. Als er ihn öffnete, machte sich im Raum grosses Staunen bemerkbar: «Darin waren zwölf echte Herzen», sagt die Pflegestudierende. «Ich weiss noch genau, wie das gerochen hat», so die 23-Jährige. Heimo Hanke hört ihr zu, schmunzelt ein wenig und freut sich darüber, dass diese Lektion bei der Studierenden einen Schlüsselmoment ausgelöst hat. Tamara Röthlisberger sagt: «Das Herz fasziniert mich. Es ist ein zentrales Organ.» Man müsse die Anatomie deshalb stets vom Herzen her lernen, da es alle anderen lebenswichtigen Organe versorge. «Denkt man vom Herzen her, gelangt man in jeden noch so kleinen Raum des Körpers», erklärt die Studierende.

Faszination für das Fach

Bei den 12 Herzen in der Plastiktüte hat es sich natürlich nicht um menschliche Organe gehandelt: «Ich verwende im Unterricht die Herzen von Schweinen, weil sie jenen der Menschen ähnlich sind», erklärt Heimo Hanke. Seit rund fünf Jahren ist der Dozent am BZ Pflege tätig. Er fühle sich privilegiert, sagt der 53-Jährige, da er in seinem Beruf praktisch täglich seinem Hobby nachgehen könne. Schon als Kind habe er seine Faszination für Anatomie entdeckt, bemerkt er. «Ich habe regelmässig in meinem Anatomiebuch geblättert.» Seine Begeisterung für diese Disziplin ist auf die Studierenden übergeschwappt. Tamara Röthlisberger sagt: «Ich mag den Unterricht bei Heimo Hanke sehr und verstehe die Fakten dort immer gut.» Der Dozent führt das auf sein «relativ einfaches» Konzept zurück: «Als Lehrer muss man sein Fach können, sein Fach mögen, die Studierenden mögen und ihnen zutrauen, dass sie in der Lage sind, zu lernen.»

Der Schlüsselmoment

Die Schweineherzen beschafft Heimo Hanke jeweils im Schlachthof. «Es geht alles ganz legal zu und her», betont der Dozent mit einem Augenzwinkern. In der Anatomiestunde dürfen die Studierenden selbst Hand anlegen. Tamara Röthlisberger hat noch ganz genau vor Augen, wie sie das Organ aufgeschnitten hat. «Plötzlich liegen die Herzklappen, der Muskel, die Ausgänge direkt vor dir», sagt sie – und man spürt, wie stark dieser Moment auf die Studierende gewirkt hat. Sie habe viele Fragen gestellt und darauf stets kompetente Antworten erhalten. Das sei für den Lernprozess hilfreich gewesen. Am meisten beeindruckt aber habe sie das Herz selbst: «So ein echtes Organ auf dem Tisch, das bleibt als Bild hängen», sagt die angehende diplomierte Pflegefachfrau HF. Heimo Hanke hört der Studierenden aufmerksam zu und meint «Anatomie kann man nur auf der Basis von drei Dingen lernen: dem Lehrer, dem Lehrbuch und der Leiche.»

​Steckbrief Lehrperson

 

Name

Heimo Hanke

Jahrgang

1962

Am BZ Pflege

Seit bald zehn Jahren, seit fünf Jahren fest angestellt

Unterrichtet

Anatomie, Physiologie, Kinderheilkunde, Nursing English

Ausbildung

Diplomierter Krankenpfleger AKP in Bochum, anschliessend Studien der Sprachlehrforschung, Islamwissenschaften, Arabistik, Altsemitistik, Altiranistik, Anatomie, Physiologie, Pathologie und Grundstudium Psychologie an den Universitäten von Bochum und Heidelberg

Leidenschaft

Verschiedene internationale Taucherausbildungen mit Apnoetauchen (diverse Rekorde) und Lehrgang in Unterwasserfotografie bei Dietmar Reimer

Horizonterweiterung

Während des Studiums Einsatz als Nachtwache sowie Arbeitseinsätze in der Pathologie Bochum und Heidelberg. Ausserdem in der islamwissenschaftlichen Bibliothek von Heidelberg gejobbt. Während der Semesterferien immer wieder das Gleiche: Taucheinsätze weltweit, hauptsächlich im Nordatlantik, Roten Meer, Indischen Ozean und Südchinesischen Meer.

Mein Motto

Als Lehrer muss man sein Fach können, sein Fach mögen, die Studierenden mögen und ihnen zutrauen, dass sie in der Lage sind, zu lernen.