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Karriere als Pfleger – ein Mann unter vielen Frauen

Als Mitarbeiter einer Hilfsorganisation möchte Silas Ackermann (22) Menschen in Not unterstützen. Um diesem Ziel näher zu kommen, absolviert er am BZ Pflege die Ausbildung zum dipl. Pflegefachmann HF. Dass er dort einer der wenigen Männer ist, stört ihn nicht – im Gegenteil: „Weil es so wenige gibt, sind Männer gern gesehen in den Pflegeberufen", ist er sich sicher.

Der Patient lächelt, als Silas Ackermann das Zimmer betritt. Freundlich stellt sich der Pflegefachmann in Ausbildung vor. Er erklärt, was zu tun ist, und lässt den Patienten im Bett aufsitzen. Am Rücken muss ein Verband erneuert werden, der Mann ist von einer Leiter gefallen, konnte nach einigen Tagen plötzlich nicht mehr gehen und musste daraufhin operiert werden. „Soweit sieht alles gut aus", sagt Silas, während er die OP-Naht begutachtet und einen neuen Verband vorbereitet. „Ich schätze, da haben Sie nochmals Glück gehabt."

Es ist Freitagnachmittag in der Privatklinik Linde Biel, zweites Obergeschoss, Abteilung Chirurgie. Vor fünf Monaten hat Silas Ackermann, Studierender am BZ Pflege, das halbjährige Praktikum begonnen. „Es ist meine erste Arbeitserfahrung in einem Spital", sagt er. „Und ganz ehrlich: Am Anfang hat mich diese neue Welt schon ein bisschen überfordert." Wer Silas aber heute im Spitalflur begegnet und ihm bei der Arbeit über die Schulter blickt, kann sich das nur schwer vorstellen. Der junge Mann hat sich schnell den ungewohnten Bedingungen angepasst und geniesst die Verantwortung, die er nun tragen darf. Täglich ist er für vier Patienten verantwortlich, unterstützt sie in der Körperpflege, begleitet sie in der prä- und postoperativen Phase, nimmt ihnen Blut ab, misst die Vitalzeichen, wechselt Verbände und plant zusammen mit ihnen den Austritt. Inzwischen habe ich den Rhythmus gefunden", sagt er selbst. „Man muss aber dranbleiben und immer weiterlernen."

Sinnvolles Engagement im Beruf und in der Freizeit

Mit dem Lernen begonnen hat Silas Ackermann schon viel früher. 2011 schloss er die Ausbildung zum Fachmann Gesundheit (FaGe) ab, arbeitete dann während neun Monaten bei der Spitex in Biel, bevor er eine Arbeitspause mit Militär und Reisen einlegte. „Das Wichtigste am Pflegeberuf ist für mich, dass ich etwas Sinnvolles mache", sagt Silas, „dass ich nach Hause komme und sagen kann: Heute habe ich jemandem geholfen." Weil ihm vor allem die Atmosphäre in Spitälern gefällt, der Geruch, die Betriebsamkeit, hat er nach seiner Rückkehr die verkürzte Ausbildung zum dipl. Pflegefachmann HF begonnen. Dort engagiert er sich im Studienrat, spielt im erfolgreichen Fussballteam des BZ Pflege mit, versucht sich auf dem Campus-Gelände in Tischtennis und Volleyball – und vor allem: Er lernt und vertieft sein Wissen im Pflegebereich. „Man merkt bereits im ersten Semester, dass die Rolle als HF-Praktikant eine andere ist", sagt Silas. „Ich bin viel mehr gefordert, mein theoretisches Fachwissen in die Patientensituationen einzubringen und, zwar in Absprache, selbstständig zu handeln. Aber letztlich bleibt es jedem selbst überlassen, wie viel er lernen und ob er sich engagieren will."

Dass er auf dem Campus BZ Pflege einer der wenigen männlichen Studierenden ist, stört Silas nicht. Im Gegenteil: „Ich habe ein paar Kollegen auf dem Campus und der Rest sind Frauen", sagt er und lächelt. „Das ist doch schön." Dass er klar in der Minderheit ist, sieht Silas auch karrieretechnisch als Vorteil. „Weil es so wenige gibt, sind Männer gern gesehen in den Pflegeberufen", ist er sich sicher. „Wer sich als Pflegefachmann auf einen Job bewirbt, hat sehr gute Chancen."

Transfer in die Praxis

Während des ersten Semesters am Campus BZ Pflege hat sich Silas ein Grundwissen angeeignet, welches er nun im Praktikum in Biel vertiefen kann. Neben den theoretischen Fächern widmeten sich die Studierenden im Lernbereich Training und Transfer (LTT) auch praktischen Anwendungen – dem Wundmanagement zum Beispiel, der Patientenlagerung, Infusionen oder dem Legen peripherer Venenkatheter (PVK). Ein grosser Vorteil, wie Silas betont. „Dass wir zum Beispiel das Legen von PVK geübt hatten, gab mir zusätzliche Sicherheit im Praktikum", sagt er. „Man weiss dann selbst, dass man es im Regelfall kann, jede Patientensituation sieht ja dann nochmals anders aus. In komplexen und akuten Situationen kann ich immer die Berufsbildnerin beiziehen."

Begeistert hat Silas auch das Kommunikationstraining im ersten Semester, bei dem mithilfe einer Schauspielerin eine möglichst reale Pflegesituation dargestellt wird. Er musste sich in einem eigens eingerichteten Zimmer einer demenzkranken, 70-jährigen Frau widmen, mit ihr in Beziehung treten, sich mit ihr verständigen und ihr Verhalten validieren. „Das ist super, fast wie echt", sagt Silas. „Man lernt aus der Situation und wird gleichzeitig von einer Lehrperson beobachtet und bewertet."

Zukünftige Berufspläne

In der Privatklinik Linde Biel wurde Silas zwar ins kalte Wasser geworfen – gänzlich unvorbereitet war er aber nicht. „Man hat von Beginn weg gemerkt, dass er schon vieles kann und selbstständig arbeitet", sagt seine Berufsbildnerin. Inzwischen ist der Praktikant kaum mehr aus dem Team wegzudenken. Er ist meistens als Erster da am Morgen, arbeitet selbstständig und pflegt einen Umgang mit den Patienten, als wäre er seit Jahren auf der Station. Ob er sich denn vorstellen könne, später auf der Chirurgie zu arbeiten? Eher nicht, sagt Silas. „Es ist super, dass man während der Ausbildung in verschiedenen Fachgebieten der Pflege eingesetzt wird und so vieles kennenlernen darf. Auch wenn es mir hier gefällt, freue ich mich jetzt schon auf mein nächstes Praktikum auf einer medizinischen Abteilung. Ich denke, das ist mehr mein Ding." Ohnehin hat der 22-Jährige bereits weitere Pläne: Bei einem Hilfswerk anheuern möchte er, aber dazu brauche es eben Berufserfahrung, drei Jahre, vielleicht auch mehr. „Ich will ja keine Last sein", sagt Silas. „Ich will helfen können."

 Impressionen

 

 

Steckbrief


Name

Silas Ackermann

Jahrgang

1992

Ausbildung

FaGe, Langzeitpflege Schlössli, Biel / Pflegefachmann HF verkürzt, Ausrichtung Somat (seit 2014)

Zu Hause im Kanton

Bern

Motivation

Nach Hause kommen und sagen können: Heute habe ich jemandem geholfen!

Freizeitgestaltung auf dem Campus BZ Pflege

Tischtennis, Volleyball, Fussballteam des BZ Pflege

Highlight im ersten Semester

«Reale» Pflegesituation mit dementer Patientin im Kommunikationstraining LTT

Zukunftspläne

Weiterbildung, Arbeitserfahrung, für ein Hilfswerk arbeiten

 

Silas' Schlüsselmoment

Silas Schlüsselperson

 

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