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Jasmin Redzepovic sucht die Augenhöhe

​Jasmin Redzepovic interessiert sich für Menschen, Medizin und moderne Technik. Deshalb ist das Nachdiplomstudium NDS HF Anästhesiepflege für den 26-Jährigen ein Glücksfall.


Jasmin Redzepovic ist bereit. Im blauen Kittel und mit weissen Handschuhen steht er an diesem Morgen in einem Einleitungssaal der Augenklinik am Berner Inselspital. Der 26-Jährige führt am Operationstisch routinemässig die Vorbereitungen für die Anästhesie durch. Neben ihm steht die Oberärztin, die beruhigend auf die Patientin einwirkt und sagt: «Sie werden bald tief schlafen und etwas Schönes träumen.» Die junge Frau auf dem Operationstisch plaudert jedoch noch vor sich hin. Die Situation ist nicht ganz alltäglich: Einerseits, weil der Herzschlag der Patientin bei einer früheren Anästhesie einmal kurz ausgesetzt hatte. Andererseits, weil es sich bei der Patientin um eine Frau mit Down-Syndrom handelt. Um ihr Vertrauen zu gewinnen, braucht es besondere Bemühungen. Jasmin Redzepovic ist ein einfühlsamer Mensch. Gekoppelt mit dem Fachwissen, das er sich während der Ausbildung zum Pflegefachmann angeeignet hat, gelingt es ihm rasch, zur jungen Patientin eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen.

Eine Herzensangelegenheit
Zurzeit befindet sich Jasmin Redzepovic in Weiterbildung. Im Mai 2014 hat er das Nachdiplomstudium NDS HF Anästhesiepflege am BZ Pflege begonnen. Auf diesem Weg vertieft er permanent sein theoretisches Wissen, das er in der Augenklinik praktisch anwenden kann. Im Modul zum Thema Herz-Kreislauf hat er beispielsweise gelernt, welchen zentralen Stellenwert das Herz in seiner Tätigkeit hat: Dieses Organ könnte unter dem Einfluss der Anästhesiemedikamente rasch zu einem Problem werden, denn: «Hat ein Patient ein Herzproblem, kann vieles falsch gemacht werden – auch wenn es lediglich um einen kleinen Eingriff an der grossen Zehe geht», so Jasmin Redzepovic. Die Sicherheit der Patientinnen und Patienten hat jederzeit höchste Priorität. Umso wichtiger ist die Qualifikation der diplomierten Experten Anästhesiepflege. 

Die Anästhesie als Glücksfall
Im Einleitungssaal der Augenklinik geht es um die letzten Vorkehrungen. Jasmin Redzepovic wendet sich der Patientin zu und sagt: «Gleich spüren Sie einen Stich.» Ehe sich die junge Frau versieht, steckt die Kanüle in ihrem Handrücken. «Hat es weh getan?», fragt der Pflegefachmann, worauf die Patientin erstaunt den Kopf schüttelt. Die Anästhesiepflege hat es dem angehenden Experten angetan, weil «man ständig neue Situationen meistern muss», wie er betont. Der junge Mann bosnischer Herkunft, der in Sarajewo aufgewachsen und vor 12 Jahren in die Schweiz gekommen ist, kann gut mit den Menschen umgehen. Wer sich mit ihm unterhält oder ihn im Umgang mit Patientinnen und Patienten erlebt, wird dies rasch feststellen. Es sind aber nicht nur die Menschen, die ihn interessieren: Auch die Medizin und die moderne Technik faszinieren ihn. Auf der Anästhesie lassen sich diese Elemente miteinander verbinden. Für Jasmin Redzepovic also «ein Glücksfall».  

In den Fussstapfen des Vaters
Als Sohn eines Arztes scheint der junge Mann das passende Gen für diesen Beruf zu haben. Sein Vater, ein Neuropsychiater, führte in Sarajewo eine Praxis, in die auch der Sohn gelegentlich Einblick hatte. Jasmin Redzepovic erinnert sich, dass das Arzt-Patienten-Verhältnis in seinem Herkunftsland damals «näher» war, als dies heute in der Schweiz der Fall ist: «Hier wünschen sich die Menschen etwas mehr Distanz», so seine Beobachtung. Trotzdem ist die Verbindung zu den Patientinnen und Patienten für ihn ein wichtiger Aspekt des Berufs. «Sie sind Teil meines Lebens und ich bin Teil ihres Lebens», erklärt der Fachmann. In der Anästhesiepflege seien die Gespräche zwar häufig kurz, dafür aber intensiv. Diese «Echtheit» schätze er sehr.  

Den Blickkontakt mit der Ärztin
Jasmin Redzepovic verschiebt den Beatmungsapparat um ein paar Zentimeter und beugt sich über den Operationstisch. «Ich werde nun den Beatmungsschlauch fixieren», erklärt er der Patientin. «Und jetzt kommt die Maske», führt er aus. Mit sicherem Handgriff legt er diese auf das Gesicht der jungen Frau. Nun atmet sie zu 100 Prozent Sauerstoff ein. Der Pflegefachmann achtet auf die korrekte Ausführung, denn er ist sich bewusst, wie wichtig diese Massnahme ist. Sein Blick wandert zum Monitor, wo er unter vielen anderen Parametern auch die Sauerstoffsättigung kontrolliert. Er nimmt Blickkontakt mit der Ärztin auf, nickt mit dem Kopf und signalisiert damit, dass das Hypnotikum nun verabreicht werden kann. Die Patientin schläft ein und Jasmin Redzepovic prüft umgehend ihre Beatmung.

Die Insel als Zwischenstation
Vor seiner Anstellung im Inselspital hat Jasmin Redzepovic vier Jahre lang in einer Privatklinik in Biel gearbeitet. Damals wurde ihm klar, dass er sich weiterentwickeln möchte. Das Nachdiplomstudium Anästhesiepflege schien ihm die richtige Wahl zu sein. Inzwischen hat er mit einem Studienkollegen eine Wette abgeschlossen: «In zehn Jahren sind wir entweder in einer Leitungsfunktion oder selbstständig», sagt er mit einem Schmunzeln. Auf dem Weg dorthin scheint das Inselspital für ihn die richtige Station zu sein. Hier durchwandert er im Turnus unterschiedliche Kliniken und ist ständig mit wechselnden Anforderungen konfrontiert. Auch in der Augenklinik, wo bei chirurgischen Eingriffen Millimeterarbeit am Mikroskop geleistet wird.  

Eine spannende Reise
Die Tätigkeit auf der Anästhesie fühlte sich für den Neueinsteiger anfangs wie eine spannende Reise an: «Es prallen viele Eindrücke auf dich ein», sagt er. Nebst den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten sei man mit den Hinweisen der Kollegen beschäftigt und müsse die Töne der Apparate kennenlernen. Besonders anspruchsvoll ist die Medikation: «Sie muss den Richtlinien entsprechend individuell auf den Patienten oder die Patientin abgestimmt werden», so der angehende Experte. «Es ist herausfordernd, hier den Überblick zu haben.» Führte er zu Beginn vor allem gut trainierte Handgriffe aus, so gelingt es ihm inzwischen, Diagramme, Signale und Symptome korrekt zu interpretieren. Der thematisch breit gefächerte Unterricht am BZ Pflege unterstützt ihn dabei: «Das Lernen hört hier nie auf», bemerkt er. Belohnt wird Jasmin Redzepovic mit einer verantwortungsvollen und abwechslungsreichen Arbeit, die er auf Augenhöhe mit den Ärztinnen und Ärzten ausüben kann. Ein Aspekt, den er ganz besonders schätzt: «Auch im Unterricht am BZ Pflege begegnen sich Studierende und Berufsschullehrer mit grossem gegenseitigem Respekt», sagt er.

Die Patientin der Augenklinik befindet sich nach wie vor im Tiefschlaf und wird beatmet. Der Pflegefachmann hat einen Moment lang Zeit, um durchzuatmen. Dann erfolgen der Transfer in den Operationssaal und anschliessend der Schnitt des Chirurgen. Augenblicke, die von Jasmin Redzepovic viel Aufmerksamkeit fordern. Danach bereitet der 26-Jährige die letzte Etappe des Anästhesieprozesses vor: Auch das Aufwachen muss sorgfältig eingeleitet werden – mit Fachkompetenz und sicherer Hand.

 

 Impressionen

 

 

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Steckbrief

Name

Jasmin Redzepovic

Jahrgang

1988

Zu Hause im Kanton

Bern

Werdegang

Diplomierter Pflegefachmann HF, NDS HF Anästhesiepflege (seit 2014)

Bildet sich weiter

Weil ich Menschen, Medizin und Technik liebe und weil ich Experte meines Faches sein will.

Wo er sich in zehn Jahren sieht

Definitiv in der Anästhesie, möglicherweise in einer leitenden Funktion.

Bleibt privat am Ball

Mit Freunden rausgehen, Fussball oder Basketball spielen – «das muss auch während der Weiterbildung mal Platz haben».

 

Jasmins Schlüsselmoment

 

Jasmins Schlüsselperson


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