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Intensive Momente mit Kindern

​Wenn Kinder krank sind, brauchen sie Pflege. Dies gilt ganz besonders auf der Intensivstation. Die 28-jährige Katrin Brand ist angehende Expertin Intensivpflege. Während der Schicht ist sie mit Leib und Seele – und mit viel Fachkompetenz dabei.

Sie zieht den rosa Kasak über, schliesst den Personalschrank ab und steckt mit ein paar routinierten Griffen ihre langen, braunen Haare hoch. Gleich beginnt die Schicht. Katrin Brand marschiert zielstrebig durch die unterirdischen Gänge des Inselspitals und nimmt dann den Lift in die zweite Etage. «Abteilung für pädiatrische Intensivbehandlung», steht dort mit grossen Buchstaben auf einem Schild geschrieben. Eine Glastüre öffnet sich und an der Wand gegenüber lachen Max und Anna entgegen. Zwei Kinderbuch-Figuren, die auf dieser Station für Aufheiterung sorgen. In 14 Betten liegen hier Kinder – von der Frühgeburt bis zum 16. Lebensjahr. Alle benötigen intensive medizinische Versorgung und Pflege. Katrin Brand grüsst im Vorbeigehen ein Elternpaar, das sehnlichst darauf wartet, sein Baby besuchen zu dürfen. Dann begibt sie sich zum Rapport. Gleich wird sie erfahren, für welche Kinder sie in den nächsten Stunden die Verantwortung trägt.

«Es hat mich gepackt»

Die 28-jährige Pflegefachfrau arbeitet seit einem Jahr auf der Abteilung für pädiatrische Intensivbehandlung. «Ich wollte schon immer mit Kindern arbeiten», sagt sie. «Kinder strahlen eine grosse Herzlichkeit aus – sogar wenn sie schwer krank sind», sagt Katrin Brand. Sie hat sich für den Job auf der Intensivstation qualifiziert, weil sie berufsbegleitend das Nachdiplomstudium HF Intensivpflege Pädiatrie absolviert. Auch die geforderte Praxiserfahrung kann die engagierte Fachfrau vorweisen: Vier Jahre lang wirkte sie im Team der Kinderchirurgie mit. Als Lust auf Weiterbildung aufkam, war da ursprünglich eine Stimme in ihr, die sagte: «Die Intensivstation ist nichts für dich.» Doch es kam anders: In einem neunmonatigen Kurs zum Thema «Intermediate Care» tauchte sie in die Welt der Intensivpflege ein, lernte Zusatzfunktionen und neue Auswertungsmethoden kennen. «Diese Vertiefung hat mich gepackt», so Katrin Brand.

Blick auf den Monitor

Nach dem Rapport begibt sich die Pflegefachfrau auf die Abteilung, wo die meisten Patientinnen und Patienten in einem grossen Raum nebeneinander liegen. Die einzelnen Betten sind mit Trennwänden oder Vorhängen voneinander abgeschirmt. Katrin Brand tritt ans Bett des 14 Tage alten Milo*. Er ist mit einer Zwerchfellhernie zur Welt gekommen und musste deshalb sofort notoperiert werden. Jetzt wird der Säugling künstlich ernährt und beatmet. Katrin Brand begrüsst ihren Patienten, flüstert ihm etwas zu und streichelt dann liebevoll seine Hand. «Wir reden auch mit Säuglingen», bemerkt sie. Sie startet mit einer Pflegerunde, das heisst, sie wäscht den kleinen Patienten und reibt ihn sorgfältig mit Öl ein. Anschliessend führt sie die Kontrolle des Magenrestes durch. Parallel zu ihren Handlungen und der Beobachtung am Kind blickt sie immer wieder kontrollierend auf den Monitor über dem Bett, der sämtliche Funktionen überwacht. «Den Umgang damit habe ich im Nachdiplomstudium gelernt», sagt sie – und führt ihre Tätigkeit ruhig und sicher fort. In der Mitte des grossen Raumes, der Drehscheibe der Station, befindet sich ein Regal mit unzähligen Medikamenten und Infusionslösungen. Hier erledigt die Pflegefachfrau ihren nächsten Auftrag: Sie richtet für Milo eine neue Infusion. Katrin Brand berechnet also die lebenswichtigen Zutaten, welche der Säugling als parenterale Ernährung aufnehmen soll. «Es ist höchst anspruchsvoll», bemerkt die Pflegefachfrau. Denn es gelte, alle Dosen individuell auf das jeweilige Körpergewicht und die momentane Krankheitssituation eines Babys abzustimmen. Katrin Brand wirkt konzentriert. Es sind diese vielseiteigen Aufgaben und Herausforderungen, welche die angehende Expertin Intensivpflege NDS HF an ihrem Beruf liebt.

Die Eltern anleiten

Ursprünglich wollte die Maturandin Medizin studieren. Doch es habe sich immer deutlicher abgezeichnet, dass ihr Weg in die Pflege führe. «Die Präsenz am Bett ist mir sehr wichtig», sagt sie. «Ich mag den Bezug zu den Patienten und ihren Angehörigen.» Auf der Abteilung für pädiatrische Intensivbehandlung sind ihre sozialen Kompetenzen gefragt. Es gilt, Kinder zu motivieren und zu trösten. Sie zu beobachten und ihre Bedürfnisse wahrzunehmen. Auch die Elternarbeit sei zentral, sagt Katrin Brand. «Wir zeigen den Eltern, wie sie mit ihrem kranken Kind Kontakt aufnehmen, wie sie mit ihm umgehen und es berühren können.» Die Eltern haben auf der Intensivstation jederzeit Zugang zu ihrem Kind und werden so gut wie möglich in die Pflege einbezogen. In Extremsituationen wie etwa der Reanimation eines Kindes, sind die Eltern mit dabei. «Sie haben ein Recht darauf zu sehen, dass wir unser Bestes geben», sagt die Pflegefachfrau. «Wir machen den Eltern nichts vor.» Sie schweigt einen Moment und sagt dann: «Es kann hier auch zu sehr traurigen Momenten kommen.» Im Umgang mit den Angehörigen sei dann Feinfühligkeit und kommunikative Kompetenz gefragt. Katrin Brand ist froh, dass sie diese Themen in der Weiterbildung mit Berufskolleginnen und Dozierenden diskutieren und dadurch ihr Wissen und ihre Fähigkeiten erweitern kann.

Respekt vor der Maschine

Inzwischen kündigt sich auf der Intensivstation Pädiatrie Hektik an. Ein künstlich beatmeter Säugling ist per Helikopter hergeflogen worden. Es handelt sich um eine Frühgeburt, bei welcher es zu Sauerstoffmangel gekommen ist. Katrin Brand ist sofort zur Stelle und assistiert ihrer erfahrenen Kollegin. Die medizinische Versorgung des Babys birgt hohe Risiken. Pflege und Behandlung sind deshalb äusserst anspruchsvoll. Es kommen verschiedene technische Hilfsmittel wie etwa das Beatmungsgerät oder der Monitor zum Einsatz. Katrin Brand kennt sich damit aus, denn sie hat den Umgang damit im Nachdiplomstudium HF Intensivpflege Pädiatrie gelernt und trainiert. Sie wirkt ruhig und routiniert. Dennoch ist die Studierende froh, eine erfahrene Expertin an ihrer Seite zu haben. «Anfänglich hatte ich Angst vor der Beatmungsmaschine», sagt sie. Inzwischen sei aus der Angst «Respekt» geworden. Katrin Brand ist sich bewusst, dass sie an einer wichtigen Schaltstelle tätig ist. Mit Freude, Respekt und Fachkompetenz wird sie zukünftig noch mehr verantwortungsvolle Aufgaben übernehmen können – und somit für eine optimale Betreuung von intensivpflichtigen Kindern sorgen.

*Name geändert 

 

 Impressionen

 

 

Steckbrief

Name

Katrin Brand

Jahrgang

1987

Zu Hause im Kanton

Bern

Werdegang

Matura, diplomierte Pflegefachfrau HF, Weiterbildung in Intermediate Care, Nachdiplomstudium HF Intensivpflege (seit Mai 2014)

Liebt am Beruf

Die grosse Dankbarkeit der kleinen Patienten und deren Eltern

Herausforderung Intensivstation

Die Kinder sind oft sehr krank, ihr Zustand kann sich von Stunde zu Stunde verändern

Kann abschalten

Im Gespräch mit Teammitgliedern am Ende der Schicht, beim Treffen mit Freunden und Familie sowie beim Joggen entlang der Aare

Motivation

Viel Freude an der Arbeit mit Menschen. Es ist äusserst befriedigend, herausfordernde Situationen zu meistern

Vorbild

Die Berufsbildnerin während der Grundausbildung im ersten Lehrjahr. Ihre kompetente, humorvolle und empathische Art hat mich beeindruckt.

 

Katrins Schlüsselmoment

Katrins Schlüsselperson