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Bei Valeria Pirelli steigt die Spannung

Heute wird die Pflegefachfrau Valeria Pirelli zum ersten Mal einen künstlich beatmeten Säugling pflegen. Im Nachdiplomstudium NDS HF Intensivpflege Pädiatrie hat sie das theoretische Wissen erworben, das ihr in der Praxis Sicherheit gibt. 

Valeria Pirelli öffnet die Tür zur Intensivstation mit Schwung. Im beleuchteten Raum der Neonatologie liegen Früh- und Neugeborene in den Bettchen. Alle Babys sind unter vier Wochen alt. Auf der anderen Seite der pädiatrischen Intensivstation sind Kinder ab vier Wochen und Jugendliche bis zum 18. Altersjahr stationiert. Schauplatz des Geschehens ist das Universitäts-Kinderspitals beider Basel. Valeria Pirelli streift sich einen Mundschutz über und blaue Gummihandschuhe. Dann begibt sie sich ans Bett des kleinen Patienten, der wegen einer hochansteckenden Infektion isoliert ist. Valeria Pirelli bewegt sich sicher – nichts deutet auf die Spannung hin, die sich in ihr bemerkbar macht: Heute wird die 23-Jährige zum ersten Mal einen künstlich beatmeten Säugling pflegen. Das Fachwissen dazu hat sie am Berner Bildungszentrum Pflege erworben, wo sie seit Februar 2014 ein Nachdiplomstudium (NDS) HF Intensivpflege Pädiatrie absolviert.

Sicherheit gewinnen

«Ich fühlte mich anfangs nicht wirklich bereit für eine Weiterbildung», sagt die diplomierte Pflegefachfrau. «Ich fürchtete, zu wenig Berufserfahrung zu haben.» Nachdem ihr Kolleginnen Mut zugesprochen hatten, fiel dann der Entscheid «von heute auf morgen», so die Baslerin. Seither ist ein Jahr vergangen. Von der anfänglichen Unsicherheit ist der jungen Frau nichts mehr anzumerken. «Ich arbeite Hand in Hand mit meinen Teamkolleginnen zusammen», so Valeria Pirelli. Dabei ist ihr die Freude anzumerken. An diesem Morgen führt sie ihre Handlungen zielsicher durch. Am Platz testet sie sämtliche Geräte und Hilfsmittel. Sie knickt den Absaugschlauch ab und versichert sich, dass das Absaugsystem ausreichend Sog aufbaut. Dann drückt sie den Beatmungsbeutel zu und prüft, ob er dicht ist. «Ich kontrolliere den Arbeitsplatz immer von links nach rechts, damit ich nichts vergesse», erklärt Valeria Pirelli. Und fügt an: «Jeder hat da so seine Methoden.» Der Unterricht am BZ Pflege vermittelt zwar klare Anleitungen, doch bei bestimmten Arbeiten besteht ein gewisser Spielraum. Das hat unter anderem auch mit der unterschiedlichen Handhabung je nach Spital zu tun. Die junge Pflegefachfrau schätzt es, diese kleinen Differenzen im Nachdiplomstudium kennenzulernen.

Theorie und Praxis verbinden

Drei Wochen alt ist der kleine Patient, der zu früh zur Welt gekommen ist. Ihn plagt ein Erkältungs-Virus. Was bei Erwachsenen womöglich nur einen Schnupfen ausgelöst hätte, ist für den Säugling bedrohlich. Die Situation hat die Ärzte vor fünf Tage dazu gezwungen, eine Beatmung einzuleiten. Heute soll der Kleine endlich wieder alleine atmen. Valeria Pirelli ist bereit, den Tubus, also den Beatmungsschlauch, aus seiner Lunge zu entfernen. Diesen Eingriff darf sie nur deshalb vornehmen, weil sie sich im Nachdiplomstudium HF Intensivpflege Pädiatrie befindet. Im Modul «Respiratorisches System» hat sie sich über mehrere Tage hinweg intensiv mit der Beatmung auseinandergesetzt. «Ich habe viel Neues dazu gelernt und kann nun die Theorie mit der Praxis verknüpfen.» Sie fühle sich sicher, sei aber trotzdem froh, dass ihr bei der Arbeit noch jemand über die Schultern schaue.

Vom Emergency Room ins Spital

Ihren Beruf hat Valeria Pirelli bereits früh gewählt. Obwohl es keinen familiären Bezug zum Gesundheitswesen gab, war sie als Schülerin angetan von der TV-Ärzteserie Emergency Room: «Ich fand das Spitalleben schon damals spannend und aufregend», sagt sie und lacht. So schlüpfte sie bereits in der siebten Klasse erstmals in einen Berufskittel und schnupperte in einer Arztpraxis und später in einer Klinik. Für sie war klar: «Ich gehöre ins Spital.» Nach der Ausbildung zur Fachfrau Gesundheit EFZ hängte Valeria Pirelli ohne Unterbruch die Höhere Fachschule für Pflege an. Ein halbes Jahr nach dem Abschluss schloss die Abteilung, auf welcher sie damals tätig war. So fand sie «eher zufällig», wie sie sagt, in die Pädiatrie. Sie arbeitete zunächst eineinhalb Jahre ohne spezifische Weiterbildung im Universitäts-Kinderspital. Bald aber realisierte sie, dass die wirklich spannenden und herausfordernden Pflegesituationen, wie etwa die künstliche Beatmung des Säuglings, nur von diplomierten Expertinnen Intensivpflege NDS HF ausgeführt werden dürfen.

Gute Momente des Abschieds

Im ersten Weiterbildungsjahr hatte Valeria Pirelli viele «Aha-Erlebnisse». Dazu gehört beispielsweise der vertiefte Physiologie- und Pathologie-Unterricht. Streng sei das Studium natürlich schon, räumt Valeria Pirelli ein. Vor allem das Pendeln von Basel nach Bern setze ihr etwas zu. Die im Studium gewachsenen Freundschaften erleichtern ihr diesen Weg allerdings. Im Spital dürfte es ihr dank dem erweiterten Aufgabengebiet in den nächsten Jahren kaum langweilig werden. Am meisten Freude bereiten ihr die Momente des Abschieds, das heisst: «Wenn ich jemanden vollständig gesund nach Hause entlassen kann.»Sie blickt mit aufgeweckten Augen in Richtung Station, wo ihr Patient liegt und sagt: «Der Kleine wird sicher wieder gesund.» Ihre Arbeit verlangt nebst Fachwissen auch Empathie. Umso wichtiger sei es, nach der Arbeit abschalten zu können. Valeria Pirelli tut es: Den Ausgleich findet sie im Turnverein oder auf Ausflügen mit dem Freund und der Familie.

Herausforderung im Minutentakt

Kurz vor Mittag ist es ruhig auf den Stationsgängen, die von der Sonne in warmes Licht getaucht werden. Einzige Valeria Pirellis blaue Turnschuhe quietschen, und aus einem Wartezimmer dringt eine helle Kinderstimme. Die Studierende wartet auf die Anordnungen der Ärztinnen. Um diese Zeit zu überbrücken, beschäftigt sie sich mit Lernen. Nichts kündigt die Hektik an, die gleich ausbrechen wird. Plötzlich hasten Pflegefachpersonen und Ärztinnen durch den Gang. Dann wird eine Angehörige von der Station hinausbegleitet. Ein Säugling ist gerade eingeliefert worden. «Die Situation kann sich hier von Minute zu Minute schlagartig ändern. Aber sie Weiterbildung gibt mir das nötige Rüstzeug, um diese Situationen zu meistern », sagt Valeria Pirelli und eilt davon. Die junge Frau wird dringend gebraucht. In diesem Job weiss man nie, was im nächsten Augenblick passiert. Kann sein, dass Valeria Pirelli genau deshalb jeden Morgen voller Elan zur Stationstüre hereinkommt.

 Impressionen

 

 

 

Steckbrief

Name

Valeria Pirelli

Jahrgang

1991

Zu Hause im Kanton

Basel

Ausbildung

Fachfrau Gesundheit, Pflegefachfrau HF, NDS HF Intensivpflege Pädiatrie (seit 2014)

Wählte ihren Beruf

Als kleines Mädchen vor dem Fernseher während der TV-Serie «Emergency Room».

Liebt am Beruf am meisten

Wenn ich eine Patientin oder einen Patienten gesund nach Hause entlassen kann.

Herausforderung Intensivstation

Die Situation ändert sich hier von Minute zu Minute.

Nimmt aus dem NDS mit

Selbstsicherheit / die Fähigkeit, effizient im Team zu arbeiten / Freundschaften

Kann abschalten

Im Turnverein oder beim Zusammensein mit Freund und Familie.

 

Valerias Schlüsselmoment

 

Valerias Schlüsselperson


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