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Pietro Scarpinati hat die Chance gepackt

Er ist dort angekommen, wo er hin wollte: Der 34-jährige Pietro Scarpinati ist Stationsleiter des Herzkatheter-Labors an der Berner Universitätsklinik für Kardiologie. Das Nachdiplomstudium NDS HF Kardiologie hat seine Karriere in Schwung gebracht.

 

Hätte man Pietro Scarpinati vor zwei Jahren gesagt, in welcher Stellung er heute sein würde, er hätte es wohl kaum geglaubt. Jetzt steht er im Herzkatheter-Labor am Berner Inselspital, wo er als Stationsleiter dem Pflegepersonal vorsteht. Das Nachdiplom NDS HF Kardiologie, das Pietro Scarpinati am BZ Pflege absolviert hat, verhalf dem 34-Jährigen aus Lörrach zu diesem spannenden Job.

An diesem Vormittag bereitet Pietro Scarpinati alles für den nächsten Patienten vor: Der Pflegefachmann säubert den OP-Tisch, der zum Schutz vor den Röntgenstrahlen hinter einer dicken Plexiglasscheibe steht. Dann zieht er Spritzen mit Notfallmedikamenten auf und füllt Desinfektionsmittel nach. Anschliessend bereitet er die Lokalanästhesie vor.  

Wichtige Ansprechperson

Es steht eine anspruchsvolle Situation bevor: Der Patient muss an den Herzkranzgefässen auf mögliche Verengungen untersucht werden. Der Eingriff wird minimal-invasiv über die Leiste erfolgen. Pietro Scarpinati unterstützt während der Operation den Arzt und nimmt gleichzeitig verschiedenste Aufgaben wahr: Er überwacht die Kreislauffunktionen und die Untersuchung via Röntgenbildschirm, er erstellt den Hämodynamik-Report und bietet nebenbei noch die nächste Patientin zur Untersuchung auf.

Pietro Scarpinatis Arbeitsbelastung ist hoch. Das liegt unter anderem an der bleischweren Strahlenschutzweste, die er jeweils vor einer Untersuchung überstreift. «Sie macht mich fünf Zentimeter kleiner, und wenn ich sie wieder ausziehe, bin ich fünf Kilogramm leichter», bemerkt er lachend. Die grossen Herausforderungen liegen aber anderswo: Pietro Scarpinati arbeitet nicht nur im Labor, sondern ist als Leiter des Pflegeteams erste Ansprechperson für Pflegefachpersonen sowie Ärztinnen und Ärzte. Zudem führt er Bewerbungs- und Mitarbeitergespräche und ist für die Einarbeitung des Pflegepersonals zuständig. Aufgaben, die von ihm kommunikative Kompetenz fordern. Pietro Scarpinati mag ein vielfältiges Tätigkeitsgebiet. Er sagt: «Ich bin dort angekommen, wo ich hin wollte.»  

Mit Nachdiplom zum neuen Job

Nach der dreijährigen Ausbildung zum diplomierten Pflegefachmann, die Pietro Scarpinati in Deutschland gemacht hatte, arbeitete er ab 2008 im Kantonsspital Baselland in der medizinischen Diagnostik. Dort war er für die Kardiologie und Rhythmologie verantwortlich. Irgendwann kam die Lust auf eine neue Herausforderung. «Ich habe eigentlich immer gespürt, dass ich nicht stehen bleiben will», sagt er rückblickend. Auf das Nachdiplomstudium HF Kardiologie sei er dann «eher zufällig» gestossen, denn diese Weiterbildung sei damals noch wenig etabliert gewesen. Pietro Scarpinati sah genau darin eine Chance: «Ich wusste, dass mein Marktwert in der Kardiologie mit diesem Nachdiplom steigen würde», sagt er. Er sollte Recht bekommen: Während dem er sich am BZ Pflege weiterbildete, klopfte das Berner Inselspital bei ihm an und löste ihn aus seinem Arbeitsvertrag mit dem Kantonsspital Baselland heraus. An der Berner Universitätsklinik für Kardiologie wurde er zum Stationsleiter des Herzkatheter-Labors ernannt.  

Mit geschärftem Blick

Im Labor widmet sich Pietro Scarpinati inzwischen dem Patienten zu, der auf dem OP-Tisch liegt. Der Pflegefachmann rasiert ihm mit fachkundiger Hand den Leistenbereich und zieht dann das blaue, sterile Tuch über seinen Körper. Dann tritt der Arzt hinzu. Er begrüsst den Patienten und ertastet an dessen Leiste die Arterie, danach desinfiziert er die vorgesehene Einstichstelle. Der Assistenzarzt zieht derweil das Medikament zur Lokalanästhesie in eine Spritze auf und Pietro Scarpinati überwacht die Bildschirme. Jetzt geht es schnell: Plötzlich wird auf dem Röntgenmonitor der dünne Katheter sichtbar, der seinen Weg von der Einstichstelle in der Leistenarterie bis zu den Herzkranzgefässen findet. Pietro Scarpinati beobachtet den Eingriff mit scharfem Blick. Sein geschultes Auge erkennt die Verengungen der Herzkranzgefässe, die zu einem Herzinfarkt führen können. «Geht es?», fragt der Arzt den Patienten. «Wir kommen gut voran mit der Untersuchung», fügt er an. Dann bittet er den Pflegefachmann um einen weiteren Katheter. Bevor Pietro Scarpinati aufsteht gibt er dem Arzt noch die Blutwerte der Herzenzyme durch.  

Stressreduktion als Spezialgebiet

Der hektische Eindruck, den die Szene erweckt, täuscht: «Wir führen heute zehn Untersuchungen durch, es ist ein eher ruhiger Tag», so Pietro Scarpinati. Turbulent werde es dann, wenn doppelt so viele Patientinnen und Patienten geplant seien und noch Notfälle hinzukämen, meint er. «Dann gilt es, Ruhe zu bewahren.» Der Pflegefachmann weiss, wovon er spricht. Seine Diplomarbeit für das NDS HF Kardiologie hat er zur Stressbelastung von Herzpatientinnen und -patienten sowie des Personals verfasst. Anschliessend hat er daraus einen Leitfaden erarbeitet, der nun evaluiert wird und dem Pflegepersonal helfen soll, mit dem Stress umzugehen. Eine Arbeit, von der nun die gesamte Klinik profitieren kann.

Gerade kommt eine Berufskollegin aus der Pause zurück. Sie übernimmt Pietro Scarpinatis Dienst. Die junge Frau arbeitet erst seit drei Monaten im Herzkatheter-Labor. Ihr Chef hat sie eingearbeitet, da er im Rahmen des NDS HF Kardiologie die entsprechenden Kompetenzen erworben hat. «Durch die enge Zusammenarbeit lassen sich gute Beziehungen aufbauen», so der leitende Pflegefachmann. Die Kollegin schätzt das «grosse Fachwissen» ihres Vorgesetzten und betont, dass sie bereits nach kurzer Zeit in der Lage gewesen sei, den Ärzten selbstständig zu assistieren.  

Neue Funktion, neue Pläne

Pietro Scarpinati bewältigt im Herzkatheter-Labor ganz unterschiedliche Aufgaben und sagt: «Das Nachdiplomstudium befähigt mich dazu.» Allerdings sei das Fachwissen der Kardiologie nur das eine. In weiteren Modulen hat er am BZ Pflege die Bereiche Kommunikation und Beratung, Herzinsuffizienz, Lern- und Bildungsprozesse sowie Ethik vertieft. Dass kommt ihm in seiner leitenden Funktion zu gut. Alles in allem bleibt Pietro Scarpinati das NDS HF Kardiologie als «anstrengend» in Erinnerung. Weil die Weiterbildung zeitintensiv gewesen sei, habe sein Sozialleben gelitten, räumt er ein. Sogar auf den Sport, den der passionierte Ausdauersportler treibt, musste er eine Weile verzichten. Doch letztlich sei er daran gewachsen: «Ich bin ein Mensch, der die Herausforderung sucht», sagt er.

Seine neue Rolle am Herzkatheter-Labor als Stationsleiter hat Pietro Scarpinati erst seit Kurzem übernommen. Noch immer kann er kaum fassen, wie schnell es gegangen ist. «Langsam nimmt alles Form an», bemerkt er. Inzwischen hat er die Diplomarbeit abgeschlossen. Damit sei viel Druck von ihm abgefallen und Platz für Neues entstanden: Er plant, demnächst eine Management-Weiterbildung in Angriff zu nehmen.

 Impressionen

 

 

 

Steckbrief

Name

Pietro Epifanio Scarpinati

Jahrgang

1981

Zu Hause im Kanton

Solothurn

Ausbildung

Diplomierter Pflegefachmann, NDS HF Kardiologie (2013 – 2015)

Karriere

Pietro Scarpinati arbeitet als Stationsleiter Pflege im Herzkatheterlabor des Inselspitals Bern

Diplomarbeit

Ich habe mich dem Thema Stress gewidmet und einen Leitfaden zum Umgang mit Stress bei Patientinnen, Patienten und beim Personal der Kardiologie entwickelt.

Hobby

Ich liebe die Bewegung, ganz besonders den Ausdauersport.

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