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Sie verwandelt Wissen in Innovation

An ihrem Arbeitsort im Altersheim Sonnhalde initiiert Pflegefachfrau Silvia Hirsig wichtige Neuerungen. Inputs dafür holt sich die 50-Jährige im Nachdiplomstudium NDS HF Pflege, Gesundheitsförderung und Prävention.

 

Im Korridor des Altersheims Sonnhalde in Burgdorf sitzt eine alte Frau in einem Stuhl. Die Pflegefachfrau Silvia Hirsig geht auf sie zu und sagt: «Guten Tag Frau Keller*, wie geht's?» Die Dame mit weissem Haar lächelt und sagt: «Ich bin zufrieden.» Silvia Hirsig erwidert das Lächeln und wünscht der Frau einen schönen Tag. Danach marschiert die Pflegefachfrau zielstrebig auf ein Zimmer einer anderen Bewohnerin zu, die auf Unterstützung wartet. Diese Frau hat mit Silvia Hirsig eine kompetente Fachperson an ihrer Seite: Die 50-Jährige absolviert seit Oktober 2014 das Nachdiplomstudium NDS HF Pflege, Gesundheitsförderung und Prävention und erweitert so ihr spezifisches Wissen.  

Schwierige Situationen meistern

Der Einstieg ins Studium sei ihr «nicht ganz einfach» gefallen, gibt die Emmentalerin zu. Plötzlich wieder die Schulbank zu drücken, das sei gewöhnungsbedürftig, sagt sie. Silvia Hirsig blickt auf eine vielfältige berufliche Laufbahn zurück: Nach einer kaufmännische Lehre wechselte die junge Frau in die Pflege, wo sie vor 25 Jahren diplomiert wurde. Später führte sie als Bäuerin einen Biobetrieb und arbeitete parallel dazu bei der Spitex. Anschliessend absolvierte sie eine Ausbildung als Spielgruppenleiterin und engagierte sich in diesem Gebiet. Vor elf Jahren schliesslich kehrte sie in die Pflege zurück.

Nach dem Besuch eines 30-tägigen Nachdiplomkurses in psychiatrischer Pflege, der über ein Jahr jeweils an einzelnen Tagen stattgefunden hatte, entschied sie sich für das NDS HF Pflege, Gesundheitsförderung und Prävention. Am Anfang sei der Praxisbezug im Studium etwas zu kurz gekommen, meint die berufserprobte Frau. Doch rasch spürte sie den Mehrwert, der ihr die Weiterbildung bringt: «Schwierige Patientensituationen kann ich heute viel besser bewältigen», sagt Silvia Hirsig. «Im Unterricht erlernt man unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten, so dass man Probleme im konkreten Fall konstruktiv angehen kann.» Damit steige die Freude im Alltag und es falle leichter, Verantwortung zu übernehmen. Ein Aspekt ist für sie absolut zentral: «Gesundheitsförderung und Prävention sind in der Pflege und ganz besonders im Langzeitbereich entscheidend.» 

Die Infrastruktur berücksichtigen

Im Altersheim Sonnhalde verlässt Silvia Hirsig inzwischen das Zimmer der pflegebedürftigen Bewohnerin und geht durch den Gang. Das Zentrum bietet insgesamt Platz für 37 Personen. An diesem Tag scheint die Sonne ins Haus. Alles wirkt freundlich und hell. Doch im älteren Teil des Hauses ist die Infrastruktur nicht mehr auf dem neuesten Stand. Bei der jüngeren Generation der Bewohnerinnen und Bewohner sorge dies gelegentlich für Gesprächsstoff, so Silvia Hirsig. Eine ältere Frau öffnet die Türe und gewährt Einblick in ihr Zimmer. Es ist mit einem Tisch und einer Kommode zwar hübsch eingerichtet, aber doch recht klein. Im älteren Trakt haben die Zimmer noch keine integrierten Nasszellen und im ganzen Haus gibt es nur einen einzigen grossen Gemeinschaftsraum. Dort wird gesungen, gelesen und gebetet, Füsse werden massiert oder Übungen gemacht. Der Raum für Privatsphäre sei klein, gibt Silvia Hirsig zu bedenken. Dies zu akzeptieren, falle manchen Leuten schwer – nicht zuletzt den Angehörigen.

Fokus auf die Privatsphäre

Die Privatsphäre ist ein Thema, das die Pflegefachfrau schon lange beschäftigt. Im NDS HF Pflege, Gesundheitsförderung und Prävention wird sie nun die Gelegenheit haben, sich der Sache vertieft anzunehmen. Konkret hat sie den Auftrag, ein Praxisprojekt durchzuführen. Dieses widmet sie den Themen Intimsphäre und Sexualität im Alter. «Die Privatsphäre hat einen grossen Einfluss auf das Wohlbefinden der Patienten», sagt die Studierende.

Silvia Hirsig schöpft aus Erfahrung. Ihre Überzeugung basiert unter anderem auf vielen Beobachtungen, die sie in Pflegesituationen gemacht hat. An ihrem Arbeitsort initiiert sie deshalb Neuerungen: So hängen in der Sonnhalde seit Kurzem Schilder an den Türen, die den Bewohnerinnen und Bewohnern die Kommunikation erleichtern. Wer nicht gestört werden möchte, signalisiert es auf der entsprechenden Tafel. Zudem soll demnächst ein mobiler Kaffeeservice eingeführt werden, so dass der Kaffee nicht nur im Speisesaal, sondern auch im Zimmer getrunken werden kann. Silvia Hirsig setzt Inputs, die ihr das Nachdiplomstudium vermittelt, gekonnt im beruflichen Alltag um. 

Die Kommunikation verbessern

Die 50-Jährige hat den Einstieg ins Studium gefunden und empfiehlt Berufskolleginnen und -kollegen, die in ihrem Alter sind, diesen Schritt auch zu wagen. Wohin ihr Weg mit dem NDS HF Pflege, Gesundheitsförderung und Prävention gehen wird, ist indes noch unklar. Silvia Hirsig möchte die Weiterbildung nicht primär als Karrieresprung nutzen, sondern vor allem, um ihren Interessen nachzugehen und ihre Fähigkeiten zu erweitern. Im Bereich Kommunikation zum Beispiel will sie noch zulegen: «Ich erhalte in der Weiterbildung das Rüstzeug, damit ich Coachings für Mitarbeitende oder Schulungen durchführen kann.» Auch in einem anderen Bereich sieht sie Möglichkeiten, um das Gelernte anwenden zu können: «Es braucht Fördermassnahmen für psychisch Kranke, die nicht nur auf Medizin abstützen, sondern auf Beziehungsarbeit und Kommunikation», ist sie überzeugt. Ganz generell interessiere sie Public Health und die damit verbundene Öffentlichkeitsarbeit. Mit dem NDS als Fundament will Silvia Hirsig ihre beruflichen Ziele verwirklichen.

Ein Mix aus Neuem und Bewährtem

Im Speisesaal sitzt eine Bewohnerin am Fenster und trinkt einen Kaffee. Silvia Hirsig setzt sich zur Frau und wechselt mit ihr ein paar Worte. Die Pflegefachfrau zeigt mit dem Finger auf das Armband, das die Bewohnerin trägt und fragt: «Wissen sie noch, wozu das dient?» Die Frau überlegt einen Moment, scheint es aber nicht mehr genau zu wissen. «Wenn Sie auf den Knopf drücken, kommt die Pflege zu Ihnen», erklärt Silvia Hirsig. Das Signal des Senders, das im Armband steckt, kann die Pflegefachfrau auf einem Smartphone abrufen. Silvia Hirsig steht der modernen Technik zwar etwas skeptisch gegenüber, sie weiss aber, dass diese Instrumente für die Pflege «durchaus ein Segen» sein können. «Darin steckt Potenzial», bemerkt sie. Und erwähnt im gleichen Atemzug, wie man im Unterricht eine Professorin per Skype habe befragen können. Es brauche eben beides: Innovation und Verbesserung, aber auch Bewährtes und Erprobtes. Silvia Hirsig findet sich in beiden Welten zurecht. Das wird dann deutlich, wenn sie die Vitalfunktionen der Bewohnerin statt per Smartphone mit jener kleinen, silbernen Taschenuhr abliest, die sie vor 25 Jahren zur Diplomfeier erhalten hat.

*Name geändert 

 Impressionen

 

 

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Steckbrief

Silvia Hirsig

Jahrgang

1965

Zu Hause im Kanton

Bern

Werdegang

KV, diplomierte Pflegefachfrau, Bio-Bäuerin, Pflegefachfrau im Langzeitbereich, NDS HF Pflege, Gesundheitsförderung und Prävention (seit 2014)

Studiert

Um mein Wissen in Public Health, Prävention und Gesundheitsförderung zu vertiefen.

Ist analog und digital unterwegs

Die Patientinnen und Patienten orte ich per Smartphone, ihren Puls messe ich allerdings mit einer Taschenuhr aus dem Jahr 1980.

Forschungsinteresse

Privatsphäre in Alters- und Pflegezentren

 

Silvias Schlüsselmoment

 

Silvias Schlüsselperson


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